(20) Messer, Blogs, Feuer, Licht…

…sind für Printjournalisten nicht.

Man verzeihe mir den flachen Einstieg; zumindest hat die Recherche zu diesem Kinderreim reichlich Trivialwissen zutage gefördert. Wer weiß, wozu es mal gut ist.
Apropos Recherche: Worum es offensichtlich eigentlich gehen soll, ist die seit heute morgen auf ganz heißer Flamme kochende Kontroverse um die zunächst in einer Presseerklärung des FC Bayern kolportierten und dann von Vertretern von Boulevard- wie auch Qualitätsmedien weitgehend unreflektiert weiterverbreiteten Meldung über die Konfiszierung von 20 Messern, Schlagstöcken und ähnlichen Utensilien bei den in Zelten durchgeführten Sonderkontrollen von Eintracht-Fans vor der Münchener Arena am Samstag. In der Presseerklärung und den Nachfolgenden Medienberichten entstand der Eindruck, dass diese Utensilien einzig bei diesen Sonderkontrollen sichergestellt wurde, was bei (laut Presseerklärung) 30-40 Kontrollierten ein resprektables Arsenal ergeben hätte.

 

Soweit die Vorgeschichte. Nun kommen wir zur Story an der Story, und die führt uns zurück zum Stichwort Recherche. Stefan Krieger vom Eintracht-Blog Blog-G hat sich nämlich einfach mal doppelt so viel Mühe gemacht wie die bezahlten Medienvertreter, und freundlich bei der Polizei München nachgefragt, was denn an diesen Zahlen dran sei. Nun, die Zahlen stimmen, doch beziehen sie sich nicht auf die Kontrollen der Eintracht-Anhänger in den Sonderzelten, sondern auf alle bei sämtlichen Besuchern im und ums Stadion sichergestellten Gegenstände. Den Artikel samt laufender Akutualisierungen gibt´s hier, und auch Torsten Wieland kommentiert gewohnt unaufgeregt.

Zugegeben: Wenn man will, kann man die Presseerklärung so lesen, dass nicht der Eindruck entsteht, die Konfiszierten Gegenstände bezögen sich allein auf die Sonderkontrollen. Diese Interpretation ist jedoch quer durch Medien und Blogs nicht zu finden gewesen. Insofern kann man davon ausgehen, dass die von – so unterstelle ich mal – Kommunikationsprofis erstellte Pressemitteilung des FC Bayern einer expliziten Intention folgt, wie sie von Rezipienten interpretiert werden soll. Und so liegt in der Geschichte ein ganz eigener Beigeschmack.

 

Soweit, so (leider) nahezu normal. Was mich dann aber nochmal richtig gestört hat, ist die Ignoranz, mit der die „Qualitätsmedien“ diese Wendung der Affäre begleiten. Exemplarisch sei dies an einem Artikel von Thomas Hummel auf Sueddeutsche.de gezeigt, der heute Mittag online ging. Hummel stellt den Sachverhalt bezüglich der Kontrollen zwar richtig dar, ein Verweis auf die Quelle dieser Erkenntnis sucht man jedoch vergebens. Offensichtlich hat sich außer Stefan Krieger niemand die Mühe gemacht, die Angaben aus der Pressemitteilung bei der Münchener Polizei kritisch bestätigen zu lassen. Warum dann nicht auch den erwähnen, der die (eigentlich selbstverständliche und vom Aufwand her nicht der Rede werte) Recherchearbeit erledigt hat? Innerhalb der Blogosphäre wohl das Mindeste, von einer Verlinkung ganz zu schweigen.

Es ist nur ein kleines Beispiel, aber es zeigt, dass die klassischen Medienangebote häufig immer noch nicht Wirkungsweise und Vernetzung digitaler, sozialer Medien verstehen und umsetzen können oder wollen. Passend dazu die heutige Meldung vom Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau. Ein bisschen dick aufgetragen? Vielleicht. Fakt ist jedoch, dass sich die klassischen Medien auf die veränderten Mediennutzungsformen der digitalen Welt einstellen müssen, nicht umgekehrt.

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