Archiv für den Monat Dezember 2012

Finale im Viertelfinale

Ende Februar steigt also das vorgezogene Finale des diesjährigen DFB-Pokals. Bayern gegen Dortmund heißt das Spiel, und, mit Verlaub, den Begriff kann man schon so stehen lassen. Denn auch wenn insbesondere Freiburg und und Mainz schwer in Form sind, ich bezweifele, dass sie einem der beiden Finalisten in einem K.O.-Spiel gefährlich werden können. So kann man ohne Arroganz gegenüber den anderen noch im Wettbewerb vertretenen Mannschaften davon ausgehen, dass der Gewinner dieses Spiels zumindest ins echte Finale einziehen wird.

 

Beim BVB gestern war das größte Manko die Chancenverwertung. Hört sich nach einem 5:1 etwas überhöht an, doch tatsächlich war Hannover sowas von überfordert bzw. Dortmunds Pressing und das Spiel in die Spitze so erfolgreich, dass der 3:0-Halbzeitstand eigentlich bereits nach 10 Minuten hätte feststehen müssen. Mario Götze ist momentan kaum zu stoppen, Marco Reus zeigt nach, für meinen Geschmack, spielerisch durchwachsenen Wochen, stark ansteigende Form, und die Rückkehr von Käpt´n Kehl war, sorry Moritz Leitner, bitter nötig. Da ist eine ganz andere Stabilität im Zentrum, nicht nur defensiv, sondern auch offensiv: Eben die einfachen, aber effektiven Bälle, die für Leitner noch zu oft die untergeordnete Option gegenüber dem Dribbling oder dem versuchten Zauberpass darstellen.

Besonders nett war, was nach der Dortmunder Schwächephase , pardon, eher „Durchschnaufphase“, mitte der zweiten Hälfte passierte: Nicht, dass Jürgen Klopp an der Linie tobte und ob der nachlassenden Intensität und Konzentration den ein oder anderen ordentlich zusammenstauchte. Sondern die Reaktion der Mannschaft, die zeigte, dass Klopps Pushen, die Emotionen, das Fordern, nicht einfach als Aktionismus verpuffen, sondern seine Wirkung bei der Mannschaft entfalten, die nach dem 3:1 durch Diouf nochmal anzog und dann endgültig und überfällig den Sack zumachte.

Auch wenn es Kalle Rummenigge nicht mag: Das „Lex Dortmund“ (sic!) gilt nunmal nicht in Bayern, sodass Ribery im Viertelfinale fehlen wird, und das könnte ein entscheidender Faktor für die Chancen des BVB sein, denn der Franzose ist für mich einer der wenigen, die (insbesondere in aktueller Form) nie ganz in den Griff zu bekommen sind.

Wohin die Reise geht

In Belgien wurde der Streit zwischen Google und den (franszösischsprachigen) Presseverlagen beigelegt. Die Verlage hatten gegen die Verwendung von Snippets und Vorschaubildern in Google News geklagt und Recht bekommen – woraufhin Google die Verlagsangebote aus dem Index schmiss. Das war den Verlagen anscheinend auch nicht so wirklich recht, denn natürlich bedeutete dies herbe Einbußen für ihre online-Angebote.

Darum wurde sich um eine Lösung bemüht, die nun präsentiert wurde:

Google verpflichtet sich dabei, in den Medien der Verlage, die in der Rechteverwertungsgesellschaft Copiepresse zusammengeschlossen sind, für seine Dienste zu werben. Die Verleger wollen im Gegenzug Google-Werbedienste wie AdWords nutzen, um neue Leser zu gewinnen und ihre Reichweite zu steigern.

Ei, wenn das keine hübsche Blaupause für die Posse um das Leistungsschutzrecht in Deutschland ist! WIe soll es auch anders kommen: Das LSR wird durchgeboxt, Google verlinkt nicht mehr auf Verlagsinhalte, sitzt dabei finanziell am deutlich längeren Hebel, und die Verlage werden sich bei Google um einen Kompromiss anbiedern müssen. Vorausgesetzt, in den Führungsriegen sitzen nicht ganz so harte Betonköpfe, wie es manchmal scheint.

Die Fragen sind: Braucht es für eine Lösung dieser Art ein eigenes Gesetz, das de facto von Unternehmen (!) diktiert wird, samt Ressourcen verschlingendem Gesetzgebungsverfahren? Musste die Unabhängigkeit des Qualitätsjournalismus angekratzt werden, weil sich Redaktionen entsprechend der Interessen ihrer Verlage positionierten?

Geht´s auch eine Nummer kleiner?

Edit: Netzpolitik über das Mauern im Kanzleramt bezüglich Anfragen zum Leistungschutzrecht.

In der Pratsch

Die taz trägt aktuell die Informationen zur Insolvenz von Alemannia Aachen zusammen. Viel neues gibt der Artikel zwar nicht her, die Misere des Tebellenführers der ewigen Zweitliga-Tabelle wird aber schön komprimiert dargestellt, obwohl das dargestellte worst-case-Szenario Kreisliga D nicht ganz so schrecken kann, diese Liga gibt es im Kreis Aachen nämlich nicht.

Gründe für den Niedergang gibt es viele: Seit dem Abstieg 2007 wurden sieben Trainer verschlissen und so ziemlich alle Spieler mit Potential abgegeben (Ibisevic, Stieber, Höger, Moritz, Pinto, Ebbers, Holtby, Lehmann, Fiél…). Manche dieser Wechsel waren nicht zu verhindern, andere sehr wohl. So fiel die Qualität des Kaders immer mehr ab, Neuzugänge brachten kaum noch Verstärkung. Dazu Missmanagement im Vorstand in Tateinheit mit dem Supergau des neuen Stadions.

 

Nach der Premieren-Saison Bundesliga sah man sich mittelfristig auf dem Weg zum Erstligisten, verkennend, dass dieses Ziel auch für Vereine mit ganz anderen Voraussetzungen als Alemannia, Beispiel FC Köln, mehr als schwer zu realisieren ist. Amüsierte man sich in Aachen gern über die in Erinnerung an glorreiche Zeiten schwelgenden Fans aus Köln und Mönchengladbach, verfiel man selbst ins Gegenteil: Man vergaß, wo man herkam. Tabellenführer der ewigen Zweitligatabelle, nicht mehr, nicht weniger. Alle wollten mehr – und hoffen heute auf die Regionalliga. Aachen bettelt bei seinen Anhängern, man zeigt stolz auf Facebook Briefe von kleinen Kindern, die dem Verein zur Rettung ihr Taschengeld schicken, und als Außenstehender hofft man inständig, dass sich der ein oder andere Verantwortliche in Grund und Boden schämt – warscheinlich vergeblich. Denn auch wenn man das in Aachen nicht gern hören mag: Dem intensiven Eine-Hand-Wäscht-Die-Andere-Wirrwarr im und um den Verein herum steht der sprichwörtliche „Kölsche Klüngel“ in nichts nach.

Und auch wenn man Hoffnung haben darf, dass die Alemannia es schafft, die Saison zuende zu spielen und irgendwann gestärkt aus der Belastungsprobe Regionalliga herausgeht: Wenn das Personal vor allem im Vorstand erhalten bleibt und kein Paradigmenwechsel hin zu einer realistischen und professionellen Arbeit im obersten Verwaltungsorgan des Vereins stattfindet, ist der nächste „Scherbenhaufen“ vorprogrammiert.

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