Archiv für den Monat Januar 2013

Hoffnung stirbt früh

„Hier soll ein Hoffnungsträger der FDP mutwillig beschädigt werden“

Wolfgang Kubicki

Was sagt es eigentlich über eine Partei aus, wenn ein 67-jähriger mit mindestens fragwürdigem Frauenbild als Projektionsfläche für eine goldene, eher gelbe, Zukunft dient?

Was mir gestern um 18:06 zur ersten Hochrechnung einfiel

Hach, die moderne Medizin: Die CDU-Wähler halten als Halbgötter in Schwarz den Komapatienten Neoliberalismus am Leben. Eklig.

 

„Schlagstöcke zu Bratwürsten“

Ich wollte mich eigentlich garnicht weiter mit der Aktion „100 Prozent Das Spiel – 0 Prozent Gewalt“ von verschiedenen deutschen Fernsehsendern, unter anderem Sky und den öffentlich-rechtlichen, beschäftigen. Zu plump kommt das ganze daher, zu sehr wird auf der Welle der Entrüstung und der Angst vor angeblichen italienischen Verhältnissen gesurft. Und das, obwohl sich diese Welle eigentlich über den Jahreswechsel schon wieder zurückgezogen hatte. So wird die aufgeheizte Atmosphäre des vergangenen Herbstes auf kleiner Flamme weitergekocht. Einen schönen Verriss hierzu hat Nicole Selmer auf Publikative.org geschrieben. Und wenn ich schon den Link für mich sprechen lasse, klaue ich auch gleich den herrlichen Titel.

(via Fokus Fussball)

Ein Pep mehr Erfolg?

Pep Guardiola ist also ab dem Sommer Trainer bei Bayern München. Gut für die Bayern, gut für die Bundesliga? „Transfer-Hammer“, der „größte Coup der Vereinsgeschichte“? Vielleicht.

Klar ist, dass mit Guardiola ein Trainer von Weltformat die Mannschaft von Jupp Heynckes übernimmt, der schon mehr Titel geholt hat als mancher Verein in über 100 Jahren. Er hat das System Barcelona seit seinem Antritt 2008 nochmals optimiert und evolutioniert, große Namen des Weltfussballs wie Eto’o, Deco und Ronaldinho aussortiert – mit durchschlagendem Erfolg.

Das große (oder kleine?) Fragezeichen an dieser Verpflichtung ist nun, ob Guardiola ähnliche Wunderdinge wie in Barcelona auch bei einem anderen Verein zu leisten imstande ist – und wie lange er dafür braucht. Klar scheint: Eine 1:1-Umsetzung des Systems Barcelona in München wird kaum möglich sein. Konnte Guardiola bei seinem Wirken in der katalanischen Hauptstadt auf einen Kader voller Schüler der Jugendakademie La Masia zurückgreifen, die den voetbal total 2.0 Barcas seit frühester Jugend verinnerlichen konnten, steht ihm in München nur eine normale europäische Spitzenmannschaft zur Verfügung. Er wird also eine auf den Bayern-Kader abgestimmte Modulation seiner Spielphilosophie entwickeln müssen – für die Theorie hat er noch ein halbes Jahr Zeit, eine weitere spannende Frage ist jedoch, wieviel er in der Praxis bekommen wird. Denn: Sollten eventuelle (und warscheinliche) Änderungen am aktuell wie geschmiert laufenden Heynckesschen System Ergebnis-Probleme mit sich bringen, sieht man als geneigter Beobachter vor dem geistigen Auge schon einen roten Ballon im VIP-Bereich der Arena leuchten. Natürlich, ein Mann wie Guardiola wird mit einem großen Vertrauensvorschuss ausgestattet sein, es müssten also schon Titel in Gefahr sein, damit es unruhig wird – relativ unwarscheinlich, aber möglich.

Es wird einfach darauf ankommen, ob es passt – und hier kommt die bayrische Masterfrage ins Spiel, die nach dem Binnenverhältnis zwischen Trainer und den zahlreichen Alphatieren des Vereins. Müßig, hier zu spekulieren, aber spannend wird die Beobachtung dieser Thematik allemal, denn stimmt dieses Verhältnis nicht, schützt auch Erfolg nicht vor Unruhe.

Was mich ein bisschen verwundert hat, war die Vertragslaufzeit. Drei Jahre, und die auftauchende Frage ist: Vorsicht von Seiten des FC Bayern, oder Fortsetzung von Guardiolas Praxis, grundsätzliche nur kurze (im Idealfall 1-jahres-) Vertäge abzuschließen? Bayern wünscht sich sicher – wenn es passt – eine Ära eines Star-Trainers. Guardiola hat jedoch gezeigt, dass ihn auch anhaltender gigantischer Erfolg im Zweifelsfall nicht davon abhält, einfach schluss zu machen, selbst bei seinem Barcelona CF. Spanennd wirds.

Edit: Einige Tweets aus England zur Vollzugsmeldung… (via Fokus Fussball)

Edit 2: Spielverlagerung ausführlichst zur eventuellen zukünftigen taktischen Ausrichtung der Bayer unter Guardiola.

Lieber keine Meinung

Spiegel-Anteilseigner, Kolumnist und Freitag-Verleger Jakob Augstein ist also auf einer Liste des Simon-Wiesenthal-Zentrums aus Los Angeles gelandet, die wohl die „zehn aus Sicht des SWC erwähnenswertesten antisemitischen respektive antiisraelischen Verunglimpfungen des vergangenen Jahres“ auflistet, vom Großteil der Kommentatoren aber als Liste der zehn schlimmsten Antisemiten des Jahres verkauft wird. Ungenau, ärgerlich ja – für meinen Standpunkt aber einerlei. Denn: Je mehr man sich durch die Kommentare jedweder Coleur liest, desto stärker erhält man den Eindruck, sich zukünftig in Fragen, die nur im entferntesten mit dem Staat Israel im Speziellen oder dem jüdischen Glauben im Allgemeinen zusammenhängen, einen besonderen Luxus zu gönnen: Einfach keine Meinung zu haben. Das ist genauso dämlich, wie es feige ist – aber möchte man, überspitzt gesagt, der Einteilung in die Kategorien latenter Judenhasser oder Duckmäuser vor der jüdischen Weltverschwörung entgehen, bleibt einem kaum anderes übrig. Der Diskurs in dieser Richtung ist offensichtlich so emotional und wird so verbohrt geführt, dass auch noch die relativierendsten, vorsichtigsten Positionierungen zum Thema von der Gegenseite in der Luft zerrissen werden. Sollte ich also das nächste Mal auf eine Frage dieser Art angesprochen werden, wird es wohl heißen: Keine Ahnung.

 

PS: Das schwierigste an dieser Situation ist es warscheinlich, sich seine Meinung zu Henryk M. Broder abzugewöhnen – aber was tut man nicht alles für ein bisschen Ruhe und Frieden.

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