Lieber keine Meinung

Spiegel-Anteilseigner, Kolumnist und Freitag-Verleger Jakob Augstein ist also auf einer Liste des Simon-Wiesenthal-Zentrums aus Los Angeles gelandet, die wohl die „zehn aus Sicht des SWC erwähnenswertesten antisemitischen respektive antiisraelischen Verunglimpfungen des vergangenen Jahres“ auflistet, vom Großteil der Kommentatoren aber als Liste der zehn schlimmsten Antisemiten des Jahres verkauft wird. Ungenau, ärgerlich ja – für meinen Standpunkt aber einerlei. Denn: Je mehr man sich durch die Kommentare jedweder Coleur liest, desto stärker erhält man den Eindruck, sich zukünftig in Fragen, die nur im entferntesten mit dem Staat Israel im Speziellen oder dem jüdischen Glauben im Allgemeinen zusammenhängen, einen besonderen Luxus zu gönnen: Einfach keine Meinung zu haben. Das ist genauso dämlich, wie es feige ist – aber möchte man, überspitzt gesagt, der Einteilung in die Kategorien latenter Judenhasser oder Duckmäuser vor der jüdischen Weltverschwörung entgehen, bleibt einem kaum anderes übrig. Der Diskurs in dieser Richtung ist offensichtlich so emotional und wird so verbohrt geführt, dass auch noch die relativierendsten, vorsichtigsten Positionierungen zum Thema von der Gegenseite in der Luft zerrissen werden. Sollte ich also das nächste Mal auf eine Frage dieser Art angesprochen werden, wird es wohl heißen: Keine Ahnung.

 

PS: Das schwierigste an dieser Situation ist es warscheinlich, sich seine Meinung zu Henryk M. Broder abzugewöhnen – aber was tut man nicht alles für ein bisschen Ruhe und Frieden.

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