„Macht, Moneten, Marionetten“

Wird in den nächsten Tagen warscheinlich eh in jeglichen sportaffinen Ecken dieser komischen Blogosphäre  zu lesen sein, aber weils so wichtig ist:

Jens Weinreich hat ein Crowdfunding-Projekt gestartet, um zur kommenden Wahl des IOC-Präsidenten ein Ebook zu veröffentlichen, in dem er den ganzen Filz rund um die mächtigsten Männer im Weltsport aufarbeiten will. Und weil hier akute Anzeichen für zu erwartende Großartigkeit des Ganzen auftreten, fordere ich frank und frei zu einem der folgenden Klicks auf: Hier gehts zum entsprechenden Blogeintrag von Jens Weinreich, hier direkt zur Crowdfunding-Seite.

Auf, auf!

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Wie der Aachener Friedenpreis angeblich Soldaten verhöhnt

In Aachen wird jährlich zum 1. September der Aachener Friedenspreis verliehen. In diesem Jahr geht diese einst als Alternative zum Karlspreis etablierte Auszeichnung an drei Schulen in Düsseldorf, Berlin und Offenbach, die der Bundeswehr Auftritte im Unterricht untersagen und Unterrichtsmaterialen des Verteidigungsministeriums ablehnen.

Klaus Kelle, seines Zeichens Journalist und Medienunternehmer, der u.a. auch für FreieWelt.net schreibt, sieht in seiner Kolumne für den Online-Auftritt der Rheinischen Post diese Würdigung des Entschlusses der drei Schulen einen „Schlag ins Gesicht für unsere Soldaten„. Die Kolumne trägt den gequält mutig-rebellischen Namen „Politisch Inkorrekt“, und dieser zeigt auch nach kurzer Durchsicht, wohin die Reise inhaltlich geht: Vermeintlich aufrüttelndes, konservatives „das-wird-man-wohl-noch-sagen-dürfen“ – zur Ehrenrettung Kelles sei jedoch gesagt, dass sich zumindest die (unabsichtliche?) Namensvetterschaft zu den Islamhassern von Politically Incorrect nicht wirklich niederschlägt.

Doch zurück zum Friedenspreis. Kelle fragt, wen denn schon der Aachener Friedenspreis interessiere. Dieser würde vergeben anLeute, die sich angeblich Verdienste um Frieden und Völkerverständigung erworben haben. So wurde etwa schon der Verein „Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren“ geehrt oder der Gründer des Kinderzirkus „Pinocchio“. Und ein alternatives Tourneetheater. Zweifellos alles wichtige Institutionen, die unsere Welt sicherer gemacht haben. Kim Jong Un oder Ahmadinedschad werden schwer beeindruckt gewesen sein.“

Im Grunde sind die Initiatoren des Aachener Friedenpreises für Kelle eher nichtbeachtenswerte Spinner. Wobei ihm wirklich der Kamm schwillt, ist der Umstand, „dass auch die Stadt, dass DGB, SPD und Grüne und Kirchenvertreter dieses Kasperletheater als Unterstützer mitmachen“. Weil: „Es ist eine Schande, dass mit Unterstützung etablierter Organisationen Leute dafür geehrt werden, dass sie die Bundeswehr aus dem öffentlichen Raum verbannen“. Ei! Geht ja garnicht, dass überhaupt irgendwer nicht wollen kann, dass Kinder und Jugendliche in staatlichen Bildungseinrichtungen scharf gemacht werden auf den Dienst an der Waffe. Und ganz unter uns: Man kann es sich ja auch kaum vorstellen, dass in Zeiten ausgesetzter Wehrpflicht und Abenteuerspielplatz-Fernsehspots „unsere“ Bundeswehr ihre Präsenz in Schulen für solche Ziele ausnutzt.

„Es sollte üblich sein, dass die jungen Menschen, die für dieses Land dienen, den Rückhalt der führenden Parteien haben – Regierung und Opposition. Und unsere Soldaten verdienen Respekt für ihre Arbeit, selbst dann, wenn wir die politischen Entscheidungen ihrer Befehlshaber manchmal nicht teilen.“

Recht hat er. Aber was zur Hölle hat eine Preisverleihung für Schulen, die ihre Schüler keiner vermeintlichen oder tatsächlichen Indoktrination aussetzen wollen, mit mangelndem Respekt für Soldaten in Krisengebieten zu tun? Hier geht es doch nicht um Soldaten, sondern um Bürokraten. Und deren Botschaften werden innerhalb der Kooperation von Verteidigungsministerium und den Bildungsministerien der Länder verbreitet. Genau deshalb ist es zu begrüßen, dass sich immer mehr Schulen im Bündnis Schule ohne Bundeswehr zusammenschliessen und sich dieser Bevormundung widersetzen.

PS: Ich bin weder Mitglied einer der am Bündnis beteiligten Gruppen, noch stimme ich den verschiedenen Begründungen der Mitglieder oder dem Wortlaut der Begründung für die Preisverleihung uneingeschränkt zu. Mit dem Ziel, junge Menschen vor militaristischer Beeinflussung zu schützen, allerdings schon.

FIFA-Reformprogramm oder: Von Ohnmacht und Liebe

Sportjournalist Jens Weinreich bloggt ausführlichst zur heutigen Vorstellung der FIFA-Reformpläne. Ändern wird sich in puncto Aufklärung, Transparenz und Korruption – nichts. Und der tolle Theo, Lichtgestalt der „Zwanziger Jahre“, mittendrin.

Mich überfällt ja jedes Mal, wenn ich solche Beiträge lese, ein… nunja, schlechtes Gewissen wäre zuviel des Guten. Es ist eine Ohnmacht, gepaart mit der Erkenntnis der eigenen Schizophrenie, die, so hoffe ich zumindest, nahezu jedem halbwegs reflektierenden Fußballfan innewohnt: Auf der einen Seite das teils sichere, teils vermutete Wissen über die Machenschaften der Fußballpaten über diesen Sport, und, sozusagen in der anderen Gehirnhälfte, oder besser noch: im Brustkorb, im Herzen selbst vielleicht, die Liebe, die Begeisterung, die Besessenheit, die einen jedes Fitzelchen dieses Spiels aufsaugen lässt. Und wie im echten Leben, steuert auch im Fan-Organismus das Hirn das Herz. Es sagt ihm, wann und wie es zu schlagen hat. Und das Herz will auch nur schlagen, schlagen, schlagen. Das Hirn will das auch, denn es kontrolliert zwar das Herz, ist aber auch auf sein stetiges Pochen angewiesen. So behält das Hirn im Zweifelsfall das Wissen über Schmiergelder, Manipulationen und all die vielen großen und kleinen Verderbtheiten des Fussballsports für sich.

Die Krux jedoch, und da sind wir bei der Schizophrenie: Selbst wenn das Herz zusätzlich zu dem, was all die Jounalisten, Fans und Experten wissen, auch noch erführe, was dieselben bislang nur vermuten können: es würde weiterschlagen, immer weiter, selbst wenn das Hirn verstummt.

Entschuldigung, abgeschweift: Jedenfalls bitte den beitrag drüben lesen und auf dem Laufenden bleiben.

 

Update: Presseschau zur gestrigen Veranstaltung beim indirekten Freistoss!

Getaggt mit , ,

Hoffnung stirbt früh

„Hier soll ein Hoffnungsträger der FDP mutwillig beschädigt werden“

Wolfgang Kubicki

Was sagt es eigentlich über eine Partei aus, wenn ein 67-jähriger mit mindestens fragwürdigem Frauenbild als Projektionsfläche für eine goldene, eher gelbe, Zukunft dient?

Was mir gestern um 18:06 zur ersten Hochrechnung einfiel

Hach, die moderne Medizin: Die CDU-Wähler halten als Halbgötter in Schwarz den Komapatienten Neoliberalismus am Leben. Eklig.

 

„Schlagstöcke zu Bratwürsten“

Ich wollte mich eigentlich garnicht weiter mit der Aktion „100 Prozent Das Spiel – 0 Prozent Gewalt“ von verschiedenen deutschen Fernsehsendern, unter anderem Sky und den öffentlich-rechtlichen, beschäftigen. Zu plump kommt das ganze daher, zu sehr wird auf der Welle der Entrüstung und der Angst vor angeblichen italienischen Verhältnissen gesurft. Und das, obwohl sich diese Welle eigentlich über den Jahreswechsel schon wieder zurückgezogen hatte. So wird die aufgeheizte Atmosphäre des vergangenen Herbstes auf kleiner Flamme weitergekocht. Einen schönen Verriss hierzu hat Nicole Selmer auf Publikative.org geschrieben. Und wenn ich schon den Link für mich sprechen lasse, klaue ich auch gleich den herrlichen Titel.

(via Fokus Fussball)

Ein Pep mehr Erfolg?

Pep Guardiola ist also ab dem Sommer Trainer bei Bayern München. Gut für die Bayern, gut für die Bundesliga? „Transfer-Hammer“, der „größte Coup der Vereinsgeschichte“? Vielleicht.

Klar ist, dass mit Guardiola ein Trainer von Weltformat die Mannschaft von Jupp Heynckes übernimmt, der schon mehr Titel geholt hat als mancher Verein in über 100 Jahren. Er hat das System Barcelona seit seinem Antritt 2008 nochmals optimiert und evolutioniert, große Namen des Weltfussballs wie Eto’o, Deco und Ronaldinho aussortiert – mit durchschlagendem Erfolg.

Das große (oder kleine?) Fragezeichen an dieser Verpflichtung ist nun, ob Guardiola ähnliche Wunderdinge wie in Barcelona auch bei einem anderen Verein zu leisten imstande ist – und wie lange er dafür braucht. Klar scheint: Eine 1:1-Umsetzung des Systems Barcelona in München wird kaum möglich sein. Konnte Guardiola bei seinem Wirken in der katalanischen Hauptstadt auf einen Kader voller Schüler der Jugendakademie La Masia zurückgreifen, die den voetbal total 2.0 Barcas seit frühester Jugend verinnerlichen konnten, steht ihm in München nur eine normale europäische Spitzenmannschaft zur Verfügung. Er wird also eine auf den Bayern-Kader abgestimmte Modulation seiner Spielphilosophie entwickeln müssen – für die Theorie hat er noch ein halbes Jahr Zeit, eine weitere spannende Frage ist jedoch, wieviel er in der Praxis bekommen wird. Denn: Sollten eventuelle (und warscheinliche) Änderungen am aktuell wie geschmiert laufenden Heynckesschen System Ergebnis-Probleme mit sich bringen, sieht man als geneigter Beobachter vor dem geistigen Auge schon einen roten Ballon im VIP-Bereich der Arena leuchten. Natürlich, ein Mann wie Guardiola wird mit einem großen Vertrauensvorschuss ausgestattet sein, es müssten also schon Titel in Gefahr sein, damit es unruhig wird – relativ unwarscheinlich, aber möglich.

Es wird einfach darauf ankommen, ob es passt – und hier kommt die bayrische Masterfrage ins Spiel, die nach dem Binnenverhältnis zwischen Trainer und den zahlreichen Alphatieren des Vereins. Müßig, hier zu spekulieren, aber spannend wird die Beobachtung dieser Thematik allemal, denn stimmt dieses Verhältnis nicht, schützt auch Erfolg nicht vor Unruhe.

Was mich ein bisschen verwundert hat, war die Vertragslaufzeit. Drei Jahre, und die auftauchende Frage ist: Vorsicht von Seiten des FC Bayern, oder Fortsetzung von Guardiolas Praxis, grundsätzliche nur kurze (im Idealfall 1-jahres-) Vertäge abzuschließen? Bayern wünscht sich sicher – wenn es passt – eine Ära eines Star-Trainers. Guardiola hat jedoch gezeigt, dass ihn auch anhaltender gigantischer Erfolg im Zweifelsfall nicht davon abhält, einfach schluss zu machen, selbst bei seinem Barcelona CF. Spanennd wirds.

Edit: Einige Tweets aus England zur Vollzugsmeldung… (via Fokus Fussball)

Edit 2: Spielverlagerung ausführlichst zur eventuellen zukünftigen taktischen Ausrichtung der Bayer unter Guardiola.

Lieber keine Meinung

Spiegel-Anteilseigner, Kolumnist und Freitag-Verleger Jakob Augstein ist also auf einer Liste des Simon-Wiesenthal-Zentrums aus Los Angeles gelandet, die wohl die „zehn aus Sicht des SWC erwähnenswertesten antisemitischen respektive antiisraelischen Verunglimpfungen des vergangenen Jahres“ auflistet, vom Großteil der Kommentatoren aber als Liste der zehn schlimmsten Antisemiten des Jahres verkauft wird. Ungenau, ärgerlich ja – für meinen Standpunkt aber einerlei. Denn: Je mehr man sich durch die Kommentare jedweder Coleur liest, desto stärker erhält man den Eindruck, sich zukünftig in Fragen, die nur im entferntesten mit dem Staat Israel im Speziellen oder dem jüdischen Glauben im Allgemeinen zusammenhängen, einen besonderen Luxus zu gönnen: Einfach keine Meinung zu haben. Das ist genauso dämlich, wie es feige ist – aber möchte man, überspitzt gesagt, der Einteilung in die Kategorien latenter Judenhasser oder Duckmäuser vor der jüdischen Weltverschwörung entgehen, bleibt einem kaum anderes übrig. Der Diskurs in dieser Richtung ist offensichtlich so emotional und wird so verbohrt geführt, dass auch noch die relativierendsten, vorsichtigsten Positionierungen zum Thema von der Gegenseite in der Luft zerrissen werden. Sollte ich also das nächste Mal auf eine Frage dieser Art angesprochen werden, wird es wohl heißen: Keine Ahnung.

 

PS: Das schwierigste an dieser Situation ist es warscheinlich, sich seine Meinung zu Henryk M. Broder abzugewöhnen – aber was tut man nicht alles für ein bisschen Ruhe und Frieden.

Finale im Viertelfinale

Ende Februar steigt also das vorgezogene Finale des diesjährigen DFB-Pokals. Bayern gegen Dortmund heißt das Spiel, und, mit Verlaub, den Begriff kann man schon so stehen lassen. Denn auch wenn insbesondere Freiburg und und Mainz schwer in Form sind, ich bezweifele, dass sie einem der beiden Finalisten in einem K.O.-Spiel gefährlich werden können. So kann man ohne Arroganz gegenüber den anderen noch im Wettbewerb vertretenen Mannschaften davon ausgehen, dass der Gewinner dieses Spiels zumindest ins echte Finale einziehen wird.

 

Beim BVB gestern war das größte Manko die Chancenverwertung. Hört sich nach einem 5:1 etwas überhöht an, doch tatsächlich war Hannover sowas von überfordert bzw. Dortmunds Pressing und das Spiel in die Spitze so erfolgreich, dass der 3:0-Halbzeitstand eigentlich bereits nach 10 Minuten hätte feststehen müssen. Mario Götze ist momentan kaum zu stoppen, Marco Reus zeigt nach, für meinen Geschmack, spielerisch durchwachsenen Wochen, stark ansteigende Form, und die Rückkehr von Käpt´n Kehl war, sorry Moritz Leitner, bitter nötig. Da ist eine ganz andere Stabilität im Zentrum, nicht nur defensiv, sondern auch offensiv: Eben die einfachen, aber effektiven Bälle, die für Leitner noch zu oft die untergeordnete Option gegenüber dem Dribbling oder dem versuchten Zauberpass darstellen.

Besonders nett war, was nach der Dortmunder Schwächephase , pardon, eher „Durchschnaufphase“, mitte der zweiten Hälfte passierte: Nicht, dass Jürgen Klopp an der Linie tobte und ob der nachlassenden Intensität und Konzentration den ein oder anderen ordentlich zusammenstauchte. Sondern die Reaktion der Mannschaft, die zeigte, dass Klopps Pushen, die Emotionen, das Fordern, nicht einfach als Aktionismus verpuffen, sondern seine Wirkung bei der Mannschaft entfalten, die nach dem 3:1 durch Diouf nochmal anzog und dann endgültig und überfällig den Sack zumachte.

Auch wenn es Kalle Rummenigge nicht mag: Das „Lex Dortmund“ (sic!) gilt nunmal nicht in Bayern, sodass Ribery im Viertelfinale fehlen wird, und das könnte ein entscheidender Faktor für die Chancen des BVB sein, denn der Franzose ist für mich einer der wenigen, die (insbesondere in aktueller Form) nie ganz in den Griff zu bekommen sind.

Wohin die Reise geht

In Belgien wurde der Streit zwischen Google und den (franszösischsprachigen) Presseverlagen beigelegt. Die Verlage hatten gegen die Verwendung von Snippets und Vorschaubildern in Google News geklagt und Recht bekommen – woraufhin Google die Verlagsangebote aus dem Index schmiss. Das war den Verlagen anscheinend auch nicht so wirklich recht, denn natürlich bedeutete dies herbe Einbußen für ihre online-Angebote.

Darum wurde sich um eine Lösung bemüht, die nun präsentiert wurde:

Google verpflichtet sich dabei, in den Medien der Verlage, die in der Rechteverwertungsgesellschaft Copiepresse zusammengeschlossen sind, für seine Dienste zu werben. Die Verleger wollen im Gegenzug Google-Werbedienste wie AdWords nutzen, um neue Leser zu gewinnen und ihre Reichweite zu steigern.

Ei, wenn das keine hübsche Blaupause für die Posse um das Leistungsschutzrecht in Deutschland ist! WIe soll es auch anders kommen: Das LSR wird durchgeboxt, Google verlinkt nicht mehr auf Verlagsinhalte, sitzt dabei finanziell am deutlich längeren Hebel, und die Verlage werden sich bei Google um einen Kompromiss anbiedern müssen. Vorausgesetzt, in den Führungsriegen sitzen nicht ganz so harte Betonköpfe, wie es manchmal scheint.

Die Fragen sind: Braucht es für eine Lösung dieser Art ein eigenes Gesetz, das de facto von Unternehmen (!) diktiert wird, samt Ressourcen verschlingendem Gesetzgebungsverfahren? Musste die Unabhängigkeit des Qualitätsjournalismus angekratzt werden, weil sich Redaktionen entsprechend der Interessen ihrer Verlage positionierten?

Geht´s auch eine Nummer kleiner?

Edit: Netzpolitik über das Mauern im Kanzleramt bezüglich Anfragen zum Leistungschutzrecht.

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